Panik am Ölmarkt!

Panik am Ölmarkt!

Das „schwarze Gold“ wird zum Ramschpreis verscherbelt: In den USA befindet sich der WTI Ölpreis im freien Fall. Der Ölpreis bricht um 37 % ein! Was steckt dahinter?

Schon seit Wochen und Monaten wird Rohöl in der Tendenz immer billiger. Aber was am Montag passiert, treibt das Geschehen noch einmal auf die Spitze. Gegen 14.00 Uhr notierte die US-Leichtölsorte WTI zeitweise mehr als 37 Prozent im Minus. Ein Barrel der US-Leichtölsorte kostete nur noch etwas mehr als 11 Dollar pro Barrel.

Sowohl für den Contango als auch für den dramatischen Einbruch beim Ölpreis zu Wochenbeginn ist vor allem verantwortlich, dass die Erdöl-Lager in den USA praktisch bis obenhin aufgefüllt sind und kaum noch weitere Lagerkapazitäten bestehen. Es werden bereits Tanker angemietet, um weitere Lagerkapazitäten zu schaffen.

Wegen des Einbruchs der wirtschaftlichen Aktivität in Folge des Corona-Lockdowns in weiten Teilen der USA wird derzeit viel mehr Erdöl gefördert, als überhaupt verbraucht werden kann.

Das überschüssige Öl wird typischerweise eingelagert und zu einem späteren Zeitpunkt verkauft, nur ist dies aktuell angesichts der bereits vollen Lager kaum noch möglich. Regional gibt es in den USA sogar schon wieder negative Ölpreise, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Erdölproduzenten sind im Einzelfall sogar bereit, Geld dafür zu zahlen, dass ihnen das überschüssige Öl abgenommen wird.

Angesichts des niedrigen Ölpreises ist die Existenz der gesamten US-Fracking-Industrie bedroht. Denn Fracking ist typischerweise erst ab einem Ölpreis von mehr als 50 Dollar je Barrel profitabel. Um die Industrie zu stützen, will die US-Regierung Fracking-Unternehmen künftig sogar dafür bezahlen, wenn sie Öl im Boden lassen und nicht fördern. Allerdings kann das kurzfristig die Probleme nicht lösen. Fracking-Unternehmen können auch nicht einfach ihre Ölproduktion einstellen und auf höhere Verkaufspreise warten. Denn die Fracker haben oft hohe laufende Kosten. So sind Fracking-Unternehmen oft hoch verschuldet und brauchen laufende Einnahmen, um ihre Schulden bedienen zu können.

In Europa ist die Lage nicht so ernst wie in den USA, was sich auch in einem deutlich höheren Preis der Nordsee-Sorte Brent Crude äußerst. Grundsätzlich ist die Marktsituation aber ähnlich: Es wird derzeit mehr Öl gefördert, als verbraucht werden kann. Dies ist praktisch global der Fall. Auch die von der OPEC+ vereinbarten Förderbegrenzungen reichen offensichtlich nicht aus, daran etwas zu ändern.

Schauen wir uns den Chart an:

Der WTI Ölpreis mit Futurekontrakt Mai befindet sich im absoluten Tiefflug. Womöglich setzt er noch auf der oberen Trendlinie auf. Ein Fall in die Einstelligkeit kann nicht mehr ausgeschlossen werden. Eine weitere Prognose ist hier nahezu unmöglich. Eine Bodenbildung sollte abgewartet werden. –

Fazit:

Der Absturz zeigt ganz klar eine anhaltend schwere Störung der Weltwirtschaft an. Der Ölpreis fungiert quasi als Frühindikator. Dies wird meiner Meinung nach auch am Aktienmarkt in den nächsten Wochen und Monaten wohl noch seine Spuren hinterlassen. Die Anleger sollten über Gewinnmitnahmen an den Börsen jetzt ernsthaft nachdenken.

Update: 19:41 Uhr: Der Ölpreis ist auf sage und schreibe 99 cent eingebrochen.  Das verheißt nichts gutes für den Aktienmarkt. Das Szenario einer Weltwirtschaftskrise rückt erheblich näher. Für den Aktienmarkt sehe ich im Extremfall einen riesigen Abverkauf wie 1929. Ich hoffe es das es nicht so kommt. Aber es lässt sich leider nicht mehr ausschließen. Für den amerikanischen Indizes Dow Jones würde das ein Kurs von 4.000 bis 5.000 Punkte bedeuten. Für den Dax sehe ich 3.500 Punkte in diesem Szenario als möglich an. Natürlich habe auch ich keine Glaskugel. Aber normal finde ich das nicht was hier geschieht. Vorsicht ist zumindest angesagt.

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